
Mit diesem unsinnig anmutenden Titel beginnt eine Geschichte in mehren Kapiteln zum Thema Training. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten wir ein komplexes Thema.
Angenommen wir betrachten den Körper/Organismus als eine Reize/Signale/Impulse verarbeitende sich selbst regulierende Maschine, dann könnte man Körpergefühl als das Ergebnis aller in die Berechnung eingegangen Reize/Signale/Impulse bezeichnen. Mit dieser Definition ist eine allgemeine unaufgeregte Beschreibung des Begriffes gefunden, die es ermöglicht unterschiedliche Körpergefühle zu begreifen.
Klingt diese Erklärung für Sie zu einfach? Wir denken, dass man es so einfach sehen kann. Wenn sich die Signalmuster ändern, ändert sich auch die Rechenleistung und umgekehrt. Wenn dieser Prozess gestört ist, gleichgültig, wo die Ursache liegt, denn es handelt sich dabei um einen Schaltkreis aus Rückkoppelungen und Regelkreisen, dann wird sozusagen ein unpassendes Ergebnis errechnet. Die Folgen sind vielfältig und reichen vom Gefühl, plötzlich mit der Technik wie einem Schuh, einem Surfbrett oder einem Fahrrad zu hadern bis hin zum Kranksein.
Training bedeutet ein stetiges optimieren der Rechenleistung durch integrieren wechselnder und sich wiederholender Signalmuster. Wenn der Körper Wohlbefinden als Körpergefühl erzeugt, dann spricht das für eine optimale Rechenleistung unter bestimmten Bedingungen. Bei veränderter Signallage, limitierter Rechenleistung, auch beides ist u.U. der Fall sein, kann sich dieser Zustand umgehend ändern. In diesem Abschnitt sprechen wir nur über das Erlernen einer Technik und das Verändern einer erlernten Technik. Von Coachs und Trainern hören Sie sicherlich häufig den Satz, dass Sie auf den eigenen Körper hören müssten, zuerst bewusst, aber am besten unbewusst, dass Sie Ihre Grenzen kennenlernen müssten. Körperlich und mental müssten Sie eine Einheit bilden.
Der Begriff bezeichnet zweifelsohne einen Trend zu einer ganzheitlichen Sicht des Organismus. Er ist geprägt durch ein Gemisch aus verschiedensten Sichtweisen wie der Biologie, Psychologie, Naturheilkunde, Sportwissenschaft, Sportmedizin, Ernährungswissenschaft und persönlicher Erfahrung... und mehr. Aus diesem Grund haben wir uns um eine möglichst einfache, kaum durchmischte Definition bemüht, die jedoch schnell aufzeigt, was eine Veränderung für die Maschine Körper bedeutet. Je größer die Differenz zwischen einem gewohnten Zustand und dem, den man erreichen will, desto mehr Rechenarbeit der Körper muss leisten. Trainieren bedeutet nichts anderes als üben – die Rechenoperationen müssen so oft wiederholt werden, bis Pfade von Nervenverbindungen entstehen, die dem Impuls einen stabilen Weg bahnen. Immer dann, wenn eingeübte Signalkonstellationen (sensorische Reize, Afferenzen) vorhanden sind, werden sie zu dem gewünschten Bewegungsmuster verarbeitet, auch dann, wenn Sie unter Stress stehen.
Das klingt sehr trivial und gilt für denjenigen, der nach einem Schlaganfall, das Sprechen oder Gehen wieder erlernen muss, genauso wie für das Kind, das lernen muss, mit dem Löffel zu essen, oder den Athleten, der seine Lauftechnik oder seine Radtechnik optimieren möchte.

Diese Aufgabe ist nicht trivial. Mühsam kann die Rehabilitation eines Schlaganfallpatienten sein, mühsam kann es sein eine angelernte Fehlbewegung beispielsweise beim Schwimmen zu korrigieren oder mit über 30 noch das Autofahren zu lernen. Erschwert wird dies auch noch dadurch, dass man erst nach einer Zeit des Übens feststellen kann, ob man mit adäquater Technik, Essensplan, Trainingsplan »geübt hat«.
Es gibt also kaum die Möglichkeit, darüber Erkenntnisse zu gewinnen, ohne dass man dem Körper Zeit gegeben hat. Leider ist die Ungeduld ein ständiger Begleiter vieler Athleten. Die Maschine Körper verliert mit zunehmendem Alter an Plastizität und Prozesse, wie Regeneration, eine Technik zu erlernen oder zu verändern brauchen zunehmend mehr Zeit.
Chris McCormack, Triathlonweltmeister auf der Langdistanz 2007, sagt dazu, dass alle Kunst darin bestehe, zu wissen, was es heißt, sich wirklich gut zu fühlen. Nur dann sei man in der Lage, seine Leistungen auf den Punkt abzurufen, und möglichst verletzungsfrei zu bleiben. Trainieren, sich müde zu machen, an Grenzen zu gehen, ohne sich kaputt zu machen, ist eine Kunst, die nicht viele beherrschen - eine Kunst, weil es keinen kompletteren und besseren aber nicht direkt messbaren Parameter gibt als das Körpergefühl, um dieses Ziel zu erreichen.
Es gibt Hilfsmittel, die uns den Weg zum Wohlbefinden aufzeigen können wie Herzfrequenz, Laktat, Harnstoff, Creatinkinase, VO2 oder aber nicht unter Verletzungen, Schmerzen oder Infekte zu leiden. Der Nachteil dieser Parameter sind einmal die großen interindividuellen Schwankungen und die überschätzte Aussagekraft der gemessenen Surrogate.
Körpergefühl hat man erlangt, wenn es einem gelungen ist, die Differenz zwischen einem Soll- und Ist-Zustand zu schließen. Das erfordert Motivation und zu üben, zu trainieren. So lernt man als Kind Rad zu fahren, weil man sich schneller und unabhängiger bewegen will, oder weil andere dies tun.
Als Triathlet ändert sich dieser Bezug zum Fahrrad. Sie möchten möglichst unangestrengt schnell fahren. Das Rad wird in seine technischen Details zerlegt und der Prozess des Fahrens wird analytisch hinterfragt. Räder, Pedalstellung, Rahmengröße, Lenkerposition bekommen jeder ihren eigenen Stellenwert. Der Bewegungsablauf wird zerlegt, das Körpergefühl aus dem Kindesalter wird zerlegt und wieder zusammengebaut, optimiert bis ein neues Körpergefühl entstanden ist, eine erneute Einheit zwischen dem Fahrrad und Ihnen.
Nicht immer gelingt dieser Prozess. Er benötigt viel zu üben, zu trainieren. Im besten Fall verschmelzen Sie mit Ihrem Rad. Sie bewegen sich mit ihm so sicher wie auf zwei Beinen. Sie nehmen es nicht mehr wahr, es ist ein Teil von Ihnen. Verändert sich nun aber erneut die Konstruktion Ihres Fahrrades, beginnt dieser Prozess von neuem. Die veränderten eintreffenden Reizmuster (Afferenzen), verändern Ihre Wahrnehmung vom Fahrrad und stören zunächst Ihren Bewegungsablauf (motorische Efferenzen), bis durch Üben wieder eine neues Gleichgewicht errechnet wurde.
Zahllose Beispiele ließen sich hier nenne. Das selbe gilt auch für so banale Dinge wie einen Schuh. Wobei Schuhe of besonders widerspenstige Gesellen sind. Ein Schuh, der Ihnen das Körpergefühl nicht zerschlägt, ist Gold wert. Die kleinsten Veränderungen der Sohle, einem für Wohlbefinden und Körpergefühl extrem empfindlichen Körperteil, können einem das Gefühl geben, körperbehindert zu sein. Deshalb: never change a winning team, das gilt für Objekte ebenso wie für Menchen, man möchte es kaum glauben.