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Attraktor: Stabiles Verhalten im Strudel

Sie stehen beide auf der Brücke und beobachten den Wasserfall unter sich. Der Fluss ist wild und reissend, denn es hat in den letzten Tagen sehr viel geregnet. Dort, wo das Wasser in den Fluss stürzt, sammeln sich Holzstämme, Äste, Plastikflaschen und jede Menge andere Markenzeichen unserer Zivilisation. Alle Gegenstände drängeln sich zusammen und werden in einen Wirbel hineingezogen, der sich dort gebildet hat, wo sich der Wasserfall mit dem Fluss verbindet. Es entsteht ein unerbittlicher Sog.
   Gewohntes Verhalten verändern zu müssen, weil es die Umstände erfordern, birgt auch Chancen für Veränderungen in sich, die Handlungsoptionen erweitern. Verhalten verändern, neue stabile Attraktoren etablieren, bedeutet viel zu üben, zu trainieren. Man kann nie sicher sein, ob die Verhaltensumstellung gelingt. Denn vielleicht übersehen wir bei unseren Übungen das, was wir wirklich üben müssten, um die gewünschte Veränderung einzuleiten und zu stabilisieren.
   Das Gesagte gilt in gleichem Maße für unseren Organismus.

   Sie stehen beide auf der Brücke und beobachten den Wasserfall unter sich. Der Fluss ist wild und reissend, denn es hat in den letzten Tagen sehr viel geregnet. Dort, wo das Wasser in den Fluss stürzt, sammeln sich Holzstämme, Äste, Plastikflaschen und jede Menge andere Markenzeichen unserer Zivilisation.
   Alle Gegenstände drängeln sich zusammen und werden in einen Wirbel hineingezogen, der sich dort gebildet hat, wo sich der Wasserfall mit dem Fluss verbindet. Es entsteht ein unerbittlicher Sog.

Im unerbittlichen Sog des Strudels

»Wenn wir da hineinfielen, na danke, dann würde es uns unweigerlich in dieses Drecksammelbecken hineinreissen«, meint sie zu ihm. Er: »Ja, das ist übrigens ein Attraktor, in diesem Bereich ist das Verhalten des so turbulenten Flusses äußerst stabil.«
   Sie nach längerem überlegen: »Setzt sich unser Organismus nicht auch aus einer Vielzahl von Attraktoren zusammen?«
   Er: »Du hast eigentlich recht. Wenn man sich unsere Zellen anschaut, in welchem Signalsturm sie sich ständig befinden und trotzdem in bestimmten Grenzen immer die selben bleiben - ich meine, Epithelzellen bleiben Epithelzellen, Nervenzellen bleiben Nervenzellen usw. - dann könnte man sagen, dass jede Zellart ihren eigenen Attraktor besitzt.«
   Sie: »Ein schwieriges Thema, diese komplexen Systeme.«

 

Teuflischer Attraktor oder harmonisches Familienleben in Gefahr!

Wir sind normalerweise zu viert und eine ganz harmonische Familie: Vater Oskar, Mutter Elisabeth, Bruder Rudi und ich. Ich heiße Lea und bin die Ältere. Meistens geht es bei uns sehr ruhig und vernünftig zu, wenig Streitereien, auch nicht zwischen mir und Rudi, liegt vielleicht daran, dass der Altersunterschied zwischen uns mit 10 Jahren sehr groß ist.

Unsere Eltern haben sich ganz passabel arrangiert, unterstützen sich, wo es geht. Sie lassen sich gegenseitig genug Spielraum, ganz okay, dieses Konzept, meiner Ansicht nach.
   Aber es gibt eine Ausnahme, da passiert's, da gerät alles aus den Fugen. Das ist einmal im Monat, wenn Muttis Bruder Fridolin mit seiner Familie zu Besuch kommt. Er muss nur mit seinem dicken frisch geputzten Auto, seinen feindressierten Kindern, und seiner ebenso wie das Auto heraus geputzen Frau bei uns vorfahren und schon knistert es in der Luft.
   Vor allem Mutters Laune sinkt sofort, Vater beschwört uns, dass wir cool bleiben sollen, Rudi kann es sich nie verkneifen, die kleine Rosi an den Zöpfen zu ziehen und dann alles abzustreiten, und ich ich versuche vergeblich höflich zu sein, irgendwann reisst auch mir der Geduldsfaden.
   Nach einiger Zeit des mehr oder weniger verbindlichen hin und her Geplänkels fällt von Onkel Fridolin der Satz an die Adresse meiner Mutter. »Du bist mir meinen Erfolg ja nur neidig.« Zu diesem Zeitpunkt ist die Lage bereits aussichtslos verloren. Jeder hat sich in seiner sturen Haltung gegenüber dem anderen festgefahren. Wie immer gehen nach einigen Stunden alle frustriert, verärgert über die Dummheit des anderen auseinander, um das Ganze beim nächsten Mal wie das Amen im Gebet zu wiederholen.