Krankheiten: Komplexe Wesen,
die sich sträuben
Dieser Ausflug in ein fremdes Gebiet ist erforderlich, um Biestmilch verstehen zu können. Aus der Medizin sind wir monokausale Therapie-Ansätze gewohnt. Die Medizin hat den komplexen Körper zu einen Defizit-Substitutionsmodell reduziert und droht damit zunehmend zu scheitern. Wir leiden heute an Krankheiten, die sich als komplexe Wesen mit anderen Ansprüchen an die Behandlung herausgestellt haben. Unsere linearen, monokausalen Therpien stoßen immer öfter an ihre Grenzen.
Immer mehr Erkrankungen zwingen uns dazu umzudenken. Das erste Hoch der Biotechnologie-Forschung ist abgeklungen. Die therapeutischen Misserfolge mit monoklonalen Antikörpern haben uns gelehrt, dass es uns der Organismus nicht so einfach macht. Zunehmend wird deutlich, dass chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Tumoren oder Autoimmunerkrankungen eine polyvalente Behandlungsstrategie erfordern. Vor einem Jahrzehnt dachte man noch, dass polyvalente intravenöse Immunglobuline bald ausgedient haben würden. Nun das ist bis heute nicht der Fall. Hände ringend sind wir immer noch auf der Suche nach den passenden Cocktails aus der Küche der Biotechnologie. Bis heute sind die Resultate ernüchternd. Hier stellt Biestmilch eine der wenigen polyvalenten therapeutischen Optionen dar.
Organisation von Lebenwesen
Das System des Organismus organisiert und erschafft sich selbst (Autopoiese). Der Begriff der Autopoiese wurde von dem chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana geprägt. Autopoiese ist das charakteristische Organisationsmerkmal von Lebewesen bzw. lebenden Systemen.
Autopoietische Systeme (z.B. Menschen) sind rekursiv/rückbezüglich organisiert, d.h. das Produkt des funktionalen Zusammenwirkens ihrer Bestandteile ist genau jene Organisation, die die Bestandteile produziert. Durch diese besondere Form der Organisation lassen sich lebende von nicht-lebenden Systemen unterscheiden:
»Dass das Produkt ihrer Organisation sie selbst sind, das heißt, es gibt keine Trennung zwischen Erzeuger und Erzeugnis. Das Sein und das Tun einer autopoietischen Einheit sind untrennbar, und dies bildet ihre spezifische Art von Organisation.«
(Maturana/ Varela, Der Baum der Erkenntnis, S.56)
Lebewesen gehören zu den komplexen adaptiven Systemen. Sie sind imstande mit ihrer Umgebung zu interagieren und zu kommunizieren. Zirkularität und Rückbezüglichkeit sind Eigenschaften ihrer Organisation ungeachtet ihres jeweiligen Komplexitätsgrades, also gleichgültig ob Mensch oder Bakterium.
Es bedeutet nicht anderes, als dass das Ergebnis der Operation eines Systems die nächste Operation dieses Systems einleitet: Das System und seine Operationen bilden ein 'geschlossenes System'. Gleichzeitig stehen die adaptiven System in engem Kontakt mit ihrer Umwelt. Diese Wechselwirkungen mit der Umwelt sind überlebenswichtig.
Alle Komponenten des Systems/Netzwerkes stehen in Beziehung zueinander. Ihre Beziehungen sind folglich wechselseitig, d. h. die Eigenschaften eines Systems ergeben sich aus den Relationen seiner Komponenten. Die Eigenschaften befinden sich nicht in den Einzelkomponenten. Die Eigenschaften ergeben sich aus den Strukturen und dem Vernetzungsgrad.
Der Organismus befindet sich in einem dynamischen Gleichgewicht, auch als Homöostase bezeichnet. Charakteristisch für dieses Gleichgewicht ist seine Aufrechterhaltung durch Rückkopplungsschleifen (= spezielle Informationsbahnen). Der Durchfluss von Energie oder Substraten wird durch ein internes Rückkopplungssystem so reguliert, dass eine bestimmte Systemgröße trotz Störungen oder Schwankungen dieser Ströme in einem bestimmten, engen Bereich konstant bleibt.
Attraktoren beschreiben das Verhalten eines komplexen Systems
Ein System befindet sich in einem Zustand des Gleichgewichts, wenn sich eine oder mehrere Zustandsgrößen über einen bestimmten Zeitraum hinweg im Mittel nicht verändern. Verhalten beschreibt Gleichgewichtszustände. Attraktoren beschreiben Verhalten. So wie es unterschiedlichstes Verhalten gibt, so gibt es unterschiedlichste Attraktoren, die stabil oder labil sein können.
Für uns sind komplexe Systeme oft deshalb schwierig zu verstehen, da die Koordinaten des Raumes verschmelzen, der Ort ist nur ein Kriterium für die Beschreibung eines System-Zustandes, hinzu kommen beispielsweise ein Impuls, die Zeit oder Geschwindigkeit, um den Zustand des Systems charakterisieren zu können. Der Raum, der so entsteht, bezeichnet man als Phasenraum.
Attraktoren sind Gebilde im Phasenraum. Die Bahn der Zustände (die durch Ort und Impuls gekennzeichnet sind), ist die Trajektorie. Trajektorien streben oft zu für sie typischen Gebieten. Diese "Anziehungsgebiete" sind die Attraktoren.


