Ist Regulation ein kosmisches Prinzip?
Kybernetik ist die Theorie – Regulation ist die Praxis
Wo finden wir die Regeln, die alles im Innersten zusammenhalten?
Regulation folgt Regeln, wie das Wort es schon sagt. Das klingt so selbstverständlich, ist es jedoch nicht. Bemühen sich doch die Wissenschaften seit Menschen Gedenken auf unterschiedliche Weise, die Regeln zu definieren, nach denen sich die Zeitenläufte, die Naturereignisse, die wir beobachten und deren Teil wir doch gleichzeitig sind, und auch wir selbst, unser Verhalten und unser Zusammenleben strukturieren,regulieren und organisieren.
Die Physik und Chemie tun dies auf einer Ebene, die Biologie auf einer anderen, und wieder einer anderen Ökonomie und Soziologie. In allen Bereichen geht es darum die Gesetzmäßigkeiten, die Regeln des Formens und Funktionierens zu identifizieren. Das passiert in Abhängigkeit der zugrundeliegenden Philosophie auf unterschiedliche Weise.
Wir wissen, dass alles dem Wandel unterworfen ist, wir wissen, dass alles wiederkehrt, gleich und immer anders. Der Fluss, in dem wir stehen ist immer der Gleiche und doch ein anderer, das ist das Tao, nicht Esoterik, nur ein anderer Denkstil, dem das Werden und Fließen als Metapher zugrundeliegt, und nicht der Schein, das Sein, und nicht die Differenz zwischen Subjekt und Objekt.
In manchen Bereichen sind wir gewohnt, diese Denkweise anzunehmen. Wir sind mit diesem Denken, durch fernöstliche Kampfsportarten und Heilmethoden vertrauter gemacht worden. Dennoch, wenn es darum geht den Körper als medizinischen Körper zu betrachten, dann fällt es uns schwerer ihn als ein großes Ganzen, als ein sehr komplexes Regulationssystem zu sehen.
Der medizinische Körper
Der Körper ist ein autonomes sich selbst regulierendes System, oder auch Blinde können Farben sehen
Seit Kindes Beinen wachsen wir mir Krankheiten und Diagnosen auf. Wir lernen sehr bald, dass es ganz wichtig ist die Diagnose zu stellen, damit richtig behandelt werden kann. Wenn es irgendwie möglich ist, schickt man schon vom Lebenden Proben in die Pathologie, um aus dem Ergebnis der pathologischen Untersuchung, die Diagnose zu erfahren. Häufig allerdings passiert es, dass die richtige Diagnose erst nach dem Tod gestellt wird.
In anderen Kulturen, so in der traditionellen chinesischen Medizin, unterscheidet man eher zwischen verschiedenen Körperzuständen. Es gibt heiße und kalte Krankheiten und alle Übergänge dazwischen. Hier sucht man nicht mehr nach einer auslösenden Ursache, sondern betrachtet den Zustand des gesamten Körpers, an dem sich dann die Behandlung ausrichtet.
In den letzten Jahren haben wir gelernt, dass man bei der Behandlung mit Biestmilch ebenfalls lernen muss, den Aktivitätszustand des Körpers herauszufinden. Damit hat sich bei uns ein Umdenken entwickelt, das die Diagnose in den Hintergrund drängt.
Organsimen, so auch unser Körper, sind operational geschlossene Systeme. Lebende Organismen erzeugen sich selbst. Auch wenn Organismen eng mit ihrer Umwelt interagieren, so arbeiten sie doch nach für sie charakteristischen Regeln. Diese Regeln bestimmen die Art, wie Reize/Impulse verarbeitet werden, egal welchen Urspungs diese Impulse sind, ob sie aus der Umwelt oder aus dem Körperinneren kommen.
Zum Beispiel verarbeitet ein Auge Reize zu Bildern. Dabei ist es dem Auge egal, welcher Art der eingehende Reiz ist. Durch Druck auf den Augapfel können auch Blinde Farben sehen.
In unserem Körper stehen Nervensystem, Immunsystem und Hormone für charakteristische Regelkörper und erzeugen somit eine für jedes System eigene Reizverarbeitung. Die drei Systeme sind zudem hochgradig vernetzt und erzeugen als gemeinsames Ergebnis die Stressantwort. Wenn die Regulation des Körpers nicht reibungslos funktioniert, wird der Körper ein Körper der Medizin. Die Medizin forscht dann nach der Ursache. Die Ergebnisse sind bei Regulationsstörungen oft frustierend mager.
Häufig fühlt sich der Patient einfach nicht wohl
Die Ausprägungen des Krankseins können sehr unterschiedlich sein. Sie reichen vom undefinierbaren Unwohlseins bis hin zu massiven Regulationsstörungen der Organe und Organssysteme. Typisch für Regulationsstörungen ist, dass sie häufig unsere diagnostischen Möglichkeiten übersteigen und Messvorgängen nicht zugänglich sind. Entweder muss zur Beruhigung eine Diagnose erfunden werden oder der Patient erhält die diffuse Diagnose vegetative Regulationsstörung. Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen, Leisten- und Knieschmerzen, aber auch Übelkeit und Verdauungsstörungen gehören in diese Kategorie.
Wenn die Medizin endlich eine Ursache für die Symptome entdeckt hat, dann ist die Erkrankung oft schon so fortgeschritten, dass die Behandlungsmöglichkeiten bereits an ihre Grenzen gestoßen sind.


