Verwoben mit der Welt
oder wenn Lebewesen aussterben
Die Dinosaurier starben aus. Es gibt zahlreiche Debatten, warum dem so war. Letztlich bleibt unklar, wie und ob das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren stattfand. Aber eines ist unzweifelhaft. Der Organismus der Dinosaurier war irgendwann nicht mehr in einer Form mit seiner Umwelt verwoben, die mit dem seinem Überleben vereinbar gewesen wären. Dem inneren Regelwerk, mit dem der Dinsaurier Umweltreize verarbeitete, gelang es nicht mehr, eine störungsfreie Kommunikation aufrecht zu erhalten. Irgendwann zerbrach das System der Dinosaurier.
Koppelung zweier Organismen in ihrer Umwelt
Damit Organismen nicht sterben oder nicht zerstört werden, arbeiten sie ständig daran, ihr Gleichgewicht zu erzeugen und zu erhalten. Ginge dieses Gleichgewicht beispielsweise für S1 verloren, würde sich S1 auflösen und mit der Umwelt verschmelzen. Es gibt also auch Koppelungssituationen, die zu einer Zerstörung/Tod eines Organismus führen. Beispiele sehr unterschiedlicher Art sind das Aufeinandertreffen des Menschen mit dem Erreger der Pest oder das Aussterben der Dinosaurier.
Es gibt Reize, Störungen/Perturbationen im Leben eines Individuums, die der Organismus mittels der ihm eigenen Regeln verarbeitet. Uns geht es gut,
wir fühlen uns wohl. Andere Einflüsse wiederum sind so geartet - man denke
z. B. an Bakterien, Viren oder an Verletzungen - dass der Organismus sein Gleichgewicht verliert... neues Gleichgewicht entsteht oder aber Gleichgewicht geht für immer verloren. Die Folgen sind bekannt.
Sie reichen von unterschiedlichsten Krankheiten bis hin zum Tod...
Zwischen allen Organismen und ihrer Umwelt fliessen kontinuierlich Signal/Reize, die alle Beteiligten über die Zeit (das können Jahrmillionen sein) verändern.
Die Biologie bezeichnet diesen Prozess als Evolution.
Fressen ist Bewegung, Bewegung ist Verhalten
Mein Verständnis von Biologie ist stark von Umberto Maturana geprägt. Ich möchte deshalb an dieser Stelle eines seiner sehr schönen Beispiele von System- und Umwelt-Interaktion bzw -koppelung anführen.
Die Amöbe ist ein höchst beweglicher Einzeller, amorph von Gestalt umfliesst sie andere Einzeller und »verzehrt sie«, indem sie sich »bewegt«.
Was passiert? Tritt ein Einzeller in ihr unmittebares Milieu ein, verändert sich dieses Milieu. Die veränderte Molekülkonzentration im Milieu führt zu einer Veränderung der Molekülkonzentration in der Amöbe. Ihr Zustand und ihre Form ändern sich, um das innere Gleichgewicht aufrechterhalten zu können. Sichtbar wird dies durch die Ausstülpung von Pseudopodien, die den anderen Einzeller umfliessen. Die Verhältnisse in ihrem Inneren müssen in Grenzen konstant bleiben.
Wenn sich also im Milieu die Molekülkonzentration ändert, dann verändert sich die Molekülkonzentration in der Amöbe. Mittler in diesem Prozess ist die Membran. Hat sich dann der innere Zustand der Amöbe verändert, was sich in einer Formänderung der Amöbe zeigt, dann verändert sich als Folge das Milieu. Der Prozess beginnt von Vorne. Ein unendlicher Kreislauf, der erst dann endet, wenn der Tod der Amöbe eintritt. So besteht jedes Lebenswesen aus einer sensorischen Fläche, die die Veränderungen des Milieus registriert und einer motorischen Fläche, die die entsprechenden Veränderungen ausführt.
Gleichgültig wie komplex ein Lebenwesen ist, dieses Prinzip gilt für alle. Bei uns Menschen ist das Nervensystem, das zwischen sensorischem Input und motorischem Output zwischengeschaltet ist, schon sehr komplex und nicht mehr in kurzen Worten wiederzugeben, wie dies bei der Amöbe noch möglich ist.


