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Stressbiologie

Die Erfindung des Begriffs

1936 hatte der Zoologe Hans Selye den Begriff aus der Physik entlehnt, um die unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung zu benennen. Stress beschreibt in der Werkstoffkunde dee Zug oder Druck auf ein Material (siehe Spannung, Materialermüdung).
 

Seyle erfand den Stress für die Biologie

Hans Selye wurde am 26. Januar 1907 in Wien, Österreich geboren und verstarb am 16. Oktober 1982 in Montreal, Québec). Er war ein kanadischer Mediziner ungarischer Herkunft mit österreichischer Staatsbürgerschaft.
   Er entwickelte bereits in den 1930ern die Grundlagen für die Lehre vom Stress und vom allgemeinen Adaptationssyndrom oder Selye-Syndrom. Er wird somit als »Vater der Stressforschung« beschrieben. 1934 wanderte er nach Kanada aus. Seit der Publikation seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, in der er 1936 den Begriff Stress für die Biologie erfand und definierte, hat Selye mehr als 1700 Arbeiten and 39 Bücher über das Thema geschrieben.
   »Ich habe allen Sprachen ein neues Wort geschenkt - Stress«,
so Selye bei der Zusammenfassung seines Lebenswerkes. Zum Zeitpunkt seines Todes (1982) waren seine Arbeiten in mehr als 362,000 wissenschaftlichen Arbeiten und in unzählbaren Geschichten, in den meisten Sprachen und allen Ländern zitiert. Er ist immer noch bei weitem der weltweit am meisten zitierteste Autor über das Thema. Quelle: Wikipedia

Die Stressantwort

Ein biologischer Prozess
zur Aufrechterhaltung von Gleichgewichtszuständen

Die Stressantwort ist ein streng choreografierter biologischer Prozess. Die Stressantwort passt unseren Organismus an die inneren und äußeren Gegebenheiten des Lebens an. Das Stress-System, das im Wesentlichen aus den CRF (Corticotropin-freisetzender Faktor)-, Cortisol- und Katecholamin (Adrenalin, Noradrenalin)-Regelkreisen im zentralen Nervensystem besteht, kennt feste Regeln nach denen es Reize bzw. Stressoren verarbeitet.
   Die zitierten Regelkreise sind auf das Engste mit dem Nervensystem des Darms und dem Immunsystem sowie allen anderen Organsystemen (z.B. Herz-Kreislauf- oder Atmung) verknüpft. Das CRF-System, so haben Experimente ergeben, projiziert über eine Reihe von Schaltstellen im ZNS direkt in den unteren Teil des Dickdarms, auch der Magen steht unter seinem direkten Einfluss.
   Das Stress-System überwacht, kontrolliert und koordiniert alle Prozesse im Körper, sendet entsprechende Signalmuster zum Soll-Ist-Vergleich ins ZNS, führt die notwendigen Korrekturen aus oder initiiert sie. Eine individuell definierte Ist-Soll-Differenz wird, wenn möglich, konstant gehalten, eine Art Sicherheitsmarge für Notfälle, d. h. unser Organismus läuft auch bei großer Belastung nicht am Limit.

Sportler erholen sich nach
Extrembelastung sehr schnell – warum?

Ein Leistungssportler, der im Ziel vor Erschöpfung zusammenbricht, erholt sich beinahe innerhalb von Sekunden. Wäre sein Zustand wirklich dramatisch, was mitunter vorkommen kann, müsste er zur Stabilisierung des Schockzustandes auf eine Intensivstation gebracht werden.
   Das übergeordnete Ziel all dieser Aktionen ist immer die Aufrechterhaltung des dynamischen Gleichgewichts (Homöostase). Dabei ist die Art der Stressoren unerheblich. Der Organismus unterscheidet nicht, ob es sich um bewusste oder unbewusste Reize, um Stressoren aus dem Inneren des Körpers oder aus unserer Umwelt handelt.

Menschen verfügen entsprechend ihrer genetischen Ausstattung und ihren Erfahrungen im Umgang mit stresshaften Situationen von Geburt an über unterschiedliche Fähigkeiten, Belastungssituationen zu bewältigen.

Was für den einen Stress ist, muss also für einen anderen noch lange nicht Stress bedeuten. Erfolglose Stressverarbeitung führt zu einer chronischen Stressbelastung. Man beobachtet ein überaktives Stress-System und als Teil dessen ein dereguliertes Immunsystem. Die vielleicht schwächsten Symptome einer solchen chronischen Stressbelastung sind Motivationsverlust und mangelnder Antrieb verbunden mit einem Gefühl der Überforderung und des Kontrollverlustes über die eigene Lage. Bei zusätzlichem Stresseinfluss wie Krankheit, Verletzung, beruflicher oder familiärer Belastung verbunden mit unzureichenden Phasen der Regeneration kann sich eine Depression oder chronische Erkrankung entwickeln. Zu Beginn einer solchen Entwicklung stehen häufig funktionelle Störungen wie sie sich im Magen-Darmtrakt widerspiegeln.

Reizdarm und Verdauungsstörungen 

Folgen einer unzureichenden Stressverarbeitung

Experimente an verschiedenen Tiermodellen zeigen deutlich wie stressempfindlich der Magen-Darmtrakt ist. Stressoren unterschiedlichster Art wie Kälteexposition oder Entzug der Nestwärme führen zu einer verzögerten Entleerung des Magens und zu einer gesteigerten Motilität des unteren Dickdarms mit Durchfällen. Die Untersuchungen über die Auswirkungen von chronischem Stress auf den Magen-Darmtrakt sind noch spärlich, dennoch gibt es bereits eine Reihe von Hinweisen, dass Reizdarm und Verdauungsstörungen dort ihre Wurzeln haben. So leiden vermehrt Menschen an diesen funktionellen Störungen, die bereits kurz nach der Geburt und im Kleinkindalter traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt waren, deren Stressverarbeitungsprogramme also schon sehr geschädigt wurden.
   Ein anderer Hinweis für die Folgen von chronischem Stress auf den Darm, ist die Feststellung, dass chronischer Stress zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut führt. Dies wiederum prädisponiert zu bakteriellen Gastroenteritiden, die infolge nicht selten ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom nach sich ziehen. Wahrscheinlich besteht die gesteigerte Darmpermeabilität aufgrund einer stärker ausgeprägten entzündlichen Komponente im Bereich des Darms. Durch die beeinträchtigte Stressantwort entfallen bestimmte, das Immunsystem kontrollierende Prozesse oder sind schwächer ausgeprägt. Es gilt jedenfalls als bewiesen, dass die Stress-Regelkreise im ZNS den Magen und den Darm steuern und umgekehrt.
   Es handelt sich hier um eine der zentralsten Regelkreise für Gesundheit und Wohlbefinden. Leider nimmt die Deregulation dieser komplexen Schaltsysteme weiter zu. Hier scheint nicht nur der Ursprung für die genannten funktionellen Störungen zu liegen, sondern bei ungünstiger genetischer Disposition auch der für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Die Zunahme chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen spricht hier für sich.