{"id":161,"date":"2006-11-07T07:13:44","date_gmt":"2006-11-07T06:13:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biestmilch.com\/wordpress\/?p=161"},"modified":"2016-04-30T10:28:37","modified_gmt":"2016-04-30T09:28:37","slug":"ausergewohnliche-wettkampferlebnisse-flow-erlebnisse-alles-hat-gepasst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/2006\/11\/07\/ausergewohnliche-wettkampferlebnisse-flow-erlebnisse-alles-hat-gepasst\/","title":{"rendered":"Au\u00dfergew\u00f6hnliche Wettkampferlebnisse: Flow-Erlebnisse, alles hat gepasst!"},"content":{"rendered":"<p>Von Olaf Sabatschus, vielen Dank Olaf und dir alles Gute!<\/p>\n<p><strong>\u00bbFlow-Erlebnisse, alles scheint m\u00f6glich, alles f\u00e4llt einem leicht, der Erfolg kommt wie von selbst!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Das kennt sicherlich jeder irgendwie anders. Bei mir sind es eher Zeitr\u00e4ume gewesen, die letztlich in einem tollen Wettkampf m\u00fcndeten &#8211; wie sich das \u201cangef\u00fchlt\u201d hat, versuche ich im Folgenden zu beschreiben.<\/p>\n<p><strong>Das erste Erlebnis solcher Art war die Zeit nach dem IRONMAN Brasil 2003<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/biest-blog.typepad.com\/photos\/uncategorized\/brazil2.jpg\"><img loading=\"lazy\" style=\"margin: 0px 5px 5px 0px; float: left;\" title=\"Brazil2\" alt=\"Brazil2\" src=\"http:\/\/biest-blog.typepad.com\/biest_blog\/images\/brazil2.jpg\" width=\"390\" height=\"110\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Dort lief es schon recht gut, obwohl ich aufgrund von st\u00fcrmischen Winden die Orientierung im Wasser und somit auch viel Zeit verloren hatte. Nach vielleicht 30min \u00e4rgern auf dem Rad konnte ich das Ganze in so eine Art Genusswettkampf umm\u00fcnzen: Schliesslich war der Druck, ganz vorne landen zu wollen\/m\u00fcssen weg. Ich musste mich wohl oder \u00fcbel mit maximal dem 3. Platz zufrieden geben; die zwei anderen Rennfavoriten Oscar Galindez und Eduardo Sturla waren einfach schon zu weit weg. <br \/>Das f\u00fchrte zu einem erstaunlich lockeren und gleichzeitig schnellem Radsplit, und beim Laufen hiess es bei km 37 auf einmal, ich k\u00f6nne den 2. Platz noch machen &#8211; was mir letztlich dann auch gelang. Mit weniger als 1h Kampf \u00fcber die ganze Dauer von \u00fcber 8h Wettkampf &#8211; n\u00e4mlich dem Schwimmen und den letzten paar km beim Marathon. Normalerweise versuche ich die ganze Renndistanz recht hart ranzugehen..<\/p>\n<p>Nach diesem Wettkampf war die Erholungszeit erstaunlich kurz, schon 2 Wochen darauf konnte ich 9. bei der DM Kurz in Stuttgart werden &#8211; bei einem f\u00fcr Langdistanzler eher ungeeigneten legal draft race. Bereits eine Woche sp\u00e4ter beim Bonn-Triathlon konnte ich alle incl. Stefan Holzner in Schach halten, Stefan gewann 3 Wochen darauf in Frankfurt gegen die gesamte Weltelite den IM Germany. Irgendwie war ich nicht aufzuhalten, jede Trainingseinheit brachte das Gef\u00fchl mit sich, besser zu werden &#8211; h\u00f6chst erstaunlich, wenn man eh schon auf hohem Niveau unterwegs ist. <br \/>Kurz vor dem IRONMAN Austria, nur 6 Wochen nach Brasilien waren vor allem die Radausfahrten einfach genial &#8211; selbst bergauf hatte ich bei Intervallen den \u201cdicksten\u201d Gang drauf und hatte das irre Gef\u00fchl, die Beine einfach nicht m\u00fcde fahren zu k\u00f6nnen, auch bei h\u00f6chstem Tempo.<\/p>\n<p><strong>IRONMAN Austria: wenn die Achillessehne nicht gewesen w\u00e4re, w\u00e4re ich unter 8 Stunden geblieben, und das locker<\/strong><\/p>\n<p>Im Rennen selber kam ich auf einem f\u00fcr mich irrwitzig guten 7.Platz aus dem Wasser und lies gleich alles stehen, was Rang und Namen hatte. Nach ein paar km war ich mit Riesenvorsprung allein unterwegs auf dem Rad. Ich hatte das Gef\u00fchl, ich w\u00fcrde quasi von aussen beobachten, wie ich mit hoher Atemfrequenz (Zeichen f\u00fcr den \u201cAuslastungsgrad\u201d) immer weiter dem Feld enteilte, die \u00fcblichen Erm\u00fcdungssymptome (schwere Beine, Verspannungen, Muskelschmerzen) nahm ich, wenn \u00fcberhaupt dann nur sehr entfernt war. Die Zeit verflog nur so, ich konnte mir nichts sch\u00f6neres vorstellen als \u201chier und jetzt\u201d den Wettkampf und die Belastung zu geniessen, jede Runde konnte ich meiner Familie locker vom Rad aus zuwinken und der Vorsprung vergr\u00f6sserte sich trotzdem horrend. <br \/>Das Radfahren ging viel zu schnell vorr\u00fcber, 4:17h brauchte ich an dem Tag f\u00fcr die Radstrecke &#8211; so schnell bin ich zuvor nie gewesen. <br \/>Auf den Boden der Tatsachen holte mich dann das Laufen zur\u00fcck. Eine Achillessehnenreizung machte eine Entscheidung notwendig: Chronische Beschwerden riskieren und den Kurs von unter 8h durchziehen, oder alsbald das Rennen abbrechen aus Sicherheitsdenken aber mit dem Gef\u00fchl, einen verr\u00fcckt guten Tag nicht ausgenutzt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Ich entschied mich f\u00fcr die Gesundheit&#8230; was nat\u00fcrlich im Nachhinein auch zu ein paar Tr\u00e4nen gef\u00fchrt hat.<\/strong><\/p>\n<p>Danach war meine Flow-Zeit f\u00fcr diese Saison erst einmal vorr\u00fcber &#8211; die Trainingeinheiten verliefen eher schwerf\u00e4llig und schleppend, bis Hawaii konnte ich zwar einigermassen die Achillessehnenreizung auskurieren, musste dort aber mit einem eher \u201cnormalen\u201d Rennen unter den ersten 15 zufrieden sein.<\/p>\n<p>Ein Jahr darauf lief die Vorbereitung auf den IM Brasilien \u00e4hnlich gut: F\u00fcr ca. 3 Wochen hatte ich das Gef\u00fchl, jede Trainingseinheit sitzt, ich kann mich t\u00e4glich \u201cabschiessen\u201d und verkrafte das trotzdem. Der Focus im Trainingslager auf einen IM ist zwar auch ein anderer als im \u201cdaily life\u201d, aber das es so rollt, ist trotzdem selten. Etwa 10 Tage vor dem Rennen machte ich den \u201cWolfgang Dittrich birthday set\u201d &#8211; 100er mit Abgang 1:10min (allerdings auf der 25yds Bahn). F\u00fcr einen eher m\u00e4ssigen Schwimmer nicht \u00fcbel.<\/p>\n<p><strong>IRONMAN Brazil, 2004: der ganze Wettkampf kommt mir vor, wie vielleicht zwanzig Minuten &#8211; dabei waren es 8:17h<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/biest-blog.typepad.com\/photos\/uncategorized\/brazil1.jpg\"><img loading=\"lazy\" style=\"margin: 0px 5px 5px 0px; float: left;\" title=\"Brazil1\" alt=\"Brazil1\" src=\"http:\/\/biest-blog.typepad.com\/biest_blog\/images\/brazil1.jpg\" width=\"390\" height=\"137\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Am Rennmorgen ist die \u00fcbliche Nervosit\u00e4t nicht da; stattdessen nur eine freudige Erwartung des Rennens, Konzentration, Lockerheit zugleich. Der Startschuss f\u00e4llt und ich kraule los wie selten zuvor; die Trainings waren wesentlich h\u00e4rter als das Rennen. Ich wundere mich, das ich schon als 2. !!! das Land erreiche, obwohl ich mich eher auf Technikmerkmale als auf schnelles Tempo konzentriert hatte, wundere mich ebenso wie ich auf das Rad gekommen bin &#8211; mir bleibt nur der Weg in das Wechselzelt in Erinnerung, auf dem ich mich selbst abermals wie von aussen keuchen h\u00f6re, mir die Belastung aber nicht zu Bewusstsein kommt, weil die Rezeption so ged\u00e4mpft ist.<\/p>\n<p>Ich lege auf dem Rad los, wie die Feuerwehr, und bin alsbald in der F\u00fchrung; nach 125km kann Oskar Galindez aufschliessen weil er etliche Pressefahrzeuge um sich herum hat. Nach ein paar Versuchen, mich abzuh\u00e4ngen hat er Kr\u00e4mpfe in der hinteren Oberschenkelmuskulatur; ich erinnere mich das ich mit der f\u00fcr mich ungwew\u00f6hnlich risikoreichen und kampfbetonten Einstellung \u201calles oder nichts &#8211; wenn ich nicht vom Rad falle, dann du&#8230;\u201d f\u00fcr ein paar Minuten eigentlich viel zu schnell f\u00fcr eine Langdistanz gegenhielt. <br \/>\u201cDas war\u2019s\u201d habe ich gedacht, denn beim Laufen bin ich normalerweise der schnellere. Bis zum Radziel gibt es nur noch \u201cGepl\u00e4nkel\u201d, dann ziehe ich in den Laufschuhen mit im Nachhinein schon fast unheimlicher und unversch\u00e4mter Siegesgewissheit das Tempo an, bis Oscar klein beigeben muss. Bis zum Ziel, wo ich meinen ersten IM &#8211; Sieg feiern werde, habe ich \u00fcber 11min Vorsprung&#8230; bis auf ein bisschen Ziehen in den Waden auf den letzten km des Marathons habe ich kaum Schmerzwahrnehmung. (Den Muskelkater die Tage danach habe ich allerdings schon wieder in normaler bzw. heftiger Weise gesp\u00fcrt&#8230;). Nur Gl\u00fccksgef\u00fchl, fliessen&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.olafsabatschus.de\">www.olafsabatschus.de<\/a>, siehe auch <a href=\"http:\/\/biest-blog.typepad.com\/biest_blog\/2006\/08\/mario_der_meint.html#comments\">http:\/\/biest-blog.typepad.com\/biest_blog\/2006\/08\/mario_der_meint.html#comments<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein weiteres Erlebnis f\u00e4llt mir \u00fcbrigens ein: Das hatte ich allerdings<br \/> vor meiner Zeit als Triathlet: Ganz profan in einer Basketball-Stunde<br \/> des Schulsports. Daf\u00fcr bin ich aufgrund fehlenden Talents und<br \/> K\u00f6rpergr\u00f6sse nicht sonderlich geeignet; was sich in den \u00fcblichen<br \/> Spielen auch zeigte. Ein einziges Mal jedoch f\u00fchlte es sich so an, als<br \/> sei die \u201cAutomatik\u201d angegangen &#8211; ich dachte nie bewusst \u00fcber die<br \/> n\u00e4chste Aktion oder Spielz\u00fcge nach; so als ob ich im Gleichklang,<br \/> Einklang, Rythmus mit allen Geschehnissen und Spielern um mich herum<br \/> w\u00e4re, konnte ich vorraussagen was als n\u00e4chtes passieren w\u00fcrde; konnte<br \/> ohne hinzuschauen den richtigen Pass geben; konnte nach Belieben<br \/> 3-Punkte-Treffer erzielen. Konnte mir nichts sch\u00f6neres vorstellen als<br \/> zu spielen, spielen, spielen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich<br \/> einen Fehler machte, einfach alles automatisch unbewusst und nicht<br \/> verkrampft willentlich gesteuert &#8211; einfach gelungen. Das ist mir beim<br \/> Basketball nie wieder passiert&#8230;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Olaf beschreibt einige Wttk\u00e4mpfe der ganz besonderen Art, Wettk\u00e4mpfe, bei denen sozusagen alles gepasst hat. Das wichtigste: es hat Spass gemacht, keine Qu\u00e4lerei und die Zeit verfloss wie im Nu. Er bezeichnet dieses Gef\u00fchl als Flow-Erlebnis<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2294],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/161"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=161"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4827,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/161\/revisions\/4827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=161"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}