{"id":275,"date":"2007-03-15T09:19:30","date_gmt":"2007-03-15T08:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biestmilch.com\/wordpress\/?p=275"},"modified":"2016-04-30T10:28:30","modified_gmt":"2016-04-30T09:28:30","slug":"die-leistungsgrenze-liegt-nicht-im-muskel-der-schrittmacher-sitzt-im-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/2007\/03\/15\/die-leistungsgrenze-liegt-nicht-im-muskel-der-schrittmacher-sitzt-im-gehirn\/","title":{"rendered":"Die Leistungsgrenze liegt nicht im Muskel, der Schrittmacher sitzt im Gehirn"},"content":{"rendered":"<p><em>Es ist M\u00e4rz und die Hochzeit der Traininglager. Jeder, der etwas mehr f\u00fcr sich plant, als nur zum eigenen Vergn\u00fcgen und eigenen Entspannung Sport zu betreiben, ist auf dem Weg nach Mallorca, Sardinien, Sizilien oder auch nach \u00dcbersee, um sein Leistungsniveau auf Vordermann zu bringen.<br \/>Gerade gestern hatte ich ein Gespr\u00e4ch mit B\u00e4rbel Kaiser von <a href=\"http:\/\/www.tri2b.com\">www.tri2b.com<\/a>, einem unserer sehr guten Gesch\u00e4ftspartner aus dem Bereich Ausdauersport. Wieder einmal musste ich feststellen, wie wenig die dort arbeitenden ambitionierten Sportler vom Potenzial der Biestmilch aufgenommen haben, obwohl wir schon Jahre zusammenarbeiten, und ich dort schon einige Artikel zum Thema publiziert habe. <\/em><\/p>\n<p>Aus diesem Anlass m\u00f6chte ich das Thema Muskelanpassung aufgreifen, dass jetzt in all den Trainingslagern sicher Ziel Nummer 1 darstellt. Es wird gedr\u00fcckt, geschrubbt, man macht sich fertig, konzentriert sich auf Laktatwerte und neuerdings auch auf Schwankungen bei der Harnstoffausscheidung. Ich m\u00f6chte einen ganz anderen Aspekt ins Treffen f\u00fchren, der diese Werte stark relativiert und die Regulation als zentrales Funktionsprinzip des K\u00f6rpers in den Vordergrund stellt.<em><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000099;\">Muskelanpassung: Der Vermehrung von Muskelfasern (Hyperplasie) und deren Verdickung (Hypertrophie) geht eine Mikroverletzung, Minimuskelfaserriss, voraus.<br \/> Die Folge ist ein Entz\u00fcndungsprozess, dem ein Heilungsprozess folgen sollte. In der Phase der Heilung beginnt die Eiwei\u00dfsynthese und damit der Aufbau der Muskelfasern. Heilungsprozesse bezeichnet man im Rahmen der Muskelanpassung auch als Reparaturvorg\u00e4nge oder Regenerationsprozesse.<\/span><\/p>\n<p><object width=\"468\" height=\"306\" classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"wmode\" value=\"transparent\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/fileadmin\/flashfiles\/muskelanpassung.swf\" \/><embed width=\"468\" height=\"306\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" src=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/fileadmin\/flashfiles\/muskelanpassung.swf\" wmode=\"transparent\" quality=\"high\" \/><\/object><\/p>\n<p><strong>Der K\u00f6rper funktioniert nicht nach einem einfachen Kausalit\u00e4tsprinzip<\/strong><\/p>\n<p>Bei Hobbysportlern sind zum Zeitpunkt der Ersch\u00f6pfung in der Regel weniger als 30% der aller vorhandenen Muskelfaser-Motoreinheiten aktiv. Elite-Athleten rekrutieren einen gr\u00f6\u00dferen Anteil ihrer Muskelfaser-Reserve. Das Maximum \u00fcbersteigt unter den selben Bedingungen aber offensichtlich dennoch nicht 10% bis 20% der bei Hobby-Athleten aktivierten Fasern. Es gilt als \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, dass bei einer Ausdauerbelastung \u00fcber einer Stunde mehr als 50% der Muskelfaser-Motorneuronen-Einheiten aktiviert werden. <br \/>In gro\u00dfer H\u00f6he werden Belastungseinheiten deshalb abgebrochen, weil die Symptome der Atemnot unertr\u00e4glich werden. Es gibt keinerlei Hinweise, dass zum Zeitpunkt des Leistungsabbruches in irgendeinem Organsystem das Gleichgewicht gef\u00e4hrdet w\u00e4re. Das Muskel-Laktat ist niedrig, die Auswurfleistung des Herzens ist submaximal und nichts deutet auf eine Unterversorgung des Muskels mit Sauerstoff hin.<br \/>Nach einer Sprintbelastung ist der pH-Wert des Blutes selten unter 7,1 und der der Muskeln unter 6,6. Man kann also nicht von einem aufgrund von Stoffwechselabbauprodukten sauren Muskel sprechen. Eine drohende Azidose (\u00dcbers\u00e4uerung) des Stoffwechsels wird immer zuerst \u00fcber die Atmung kompensiert. Deshalb steigt die Atemfrequenz, Wasserstoffionen, die uns sauer machen, werden abgeatmet. Die Atemnot und die damit verbundenen Empfindungen f\u00fchren zu einem bewussten Abbruch der Belastung und nicht ein saurer Muskel. Der Gehalt an ATP, einem Ma\u00df f\u00fcr die Energiereserve im Skelettmuskels, unterschreitet unter allen denkbaren bisher untersuchten Belastungssituationen selten 50% der Ruhewerte. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt wie klein die totalen ATP-Speicher im gesamten Muskel sind. Das heisst jedoch, dass die ATP-Konzentrationen unter Belastung eben so streng kontrolliert werden wie in Ruhe. <br \/>Was wollen diese Beispiele sagen? Bedeuten sie nicht, dass sich alle Organsysteme in einem Zustand des Gleichgewichts (Homeostase) befinden, auch wenn der K\u00f6rper einen totalen Ersch\u00f6pfungszustand erlebt, und dass nicht der Muskel das Kommando gibt, die Leistung herunterzufahren? Erholt sich ein gut trainierter Sportler im Ziel deshalb so unglaublich rasch? W\u00e4re das Gleichgewicht der Organsysteme ernsthaft bedroht, dann w\u00fcrde ein Schockzustand drohen, der einen Aufenthalt im Krankenhaus erfordern w\u00fcrde. Das ist jedoch, wie jeder weiss, \u00e4u\u00dferst selten der Fall.<\/p>\n<p><strong>Widersprechen diese Beispiele nicht Ihren Vorstellungen von der Leistungsgrenze?<\/strong><\/p>\n<p><object width=\"468\" height=\"306\" classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"wmode\" value=\"transparent\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/fileadmin\/flashfiles\/schrittmachermodell.swf\" \/><embed width=\"468\" height=\"306\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" src=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/fileadmin\/flashfiles\/schrittmachermodell.swf\" wmode=\"transparent\" quality=\"high\" \/><\/object><\/p>\n<p><span style=\"color: #000099;\">Der Organismus ist hier vereinfacht als motorisches Energiesystem dargestellt. \u00dcber eine Vielzahl von Sensoren werden die Aktivit\u00e4ten des Organismus ebenso wie Umwelteinfl\u00fcsse registriert und verarbeitet. <br \/>Der Schrittmacher im zentralen Nervensystem kalkuliert die Gesamtheit aller eingehenden Impulse und vergleicht das Ergebnis mit dem Sollwert. Der Sollwert gibt die Referenz f\u00fcr Korrekturen vor. Er repr\u00e4sentiert Normwerte, die erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit das \u00dcberleben zu jedem Zeitpunkt der k\u00f6rperlichen Belastung gew\u00e4hrleistet ist.<br \/>Der Schrittmacher sendet die entsprechende Korrekturen an die Peripherie (Skelettmuskel, Herz, Atmung etc). Nachdem die Anpassung an die neue Situation erfolgt ist, beginnt der Prozess erneut. So entsteht ein stabiler um eine Baseline oszillierender Zustand.<\/span><\/p>\n<p>So oszilliert beispielsweise die Herzfrequenz, der Glukosespiegel, die Anzahl aktivierter Muskelfasern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir sind es gewohnt, den Stoffwechsel und seine Abfallprodukte f\u00fcr<br \/> Leistungseinbr\u00fcche und Versagen im Wettkampf verantwortlich zu machen.<br \/> Unsere Vorstellungen sind dabei von einem Modell gepr\u00e4gt, das sich gut<br \/> etabliert hat, obwohl es viele Ph\u00e4nomene, die f\u00fcr sportliche Leistungen<br \/> charakteristisch sind, nicht erkl\u00e4ren kann. Dieses periphere<br \/> Erkl\u00e4rungsmodell f\u00fchrt die Leistungsgrenze auf Ereignisse in der<br \/> Peripherie und da vor allem im Muskel zur\u00fcck. Stoffwechselmetaboliten<br \/> wie Laktat, Anstieg des pH-Wertes im Muskel, freie Radikale,<br \/> Elektrolytverschiebungen oder leere Energiespeicher etc. erzeugen einen<br \/> Ersch\u00f6pfungszustand, der zum Leistungseinbruch oder -abbruch f\u00fchrt. Das<br \/> Modell kann nicht erkl\u00e4ren, warum Spitzemsportler ihr Tempo \u00fcber die<br \/> letzten 10 bis 20% der Strecke noch erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Eigentlich m\u00fcssten<br \/> sich die Abbauprodukte ansammeln und die Leistung abnehmen oder<br \/> stagnieren.<\/p>\n<p>Langsam beginnt sich ein neues Modell Raum zu schaffen, das den<br \/> Organismus als komplexes System begreift, der \u00fcber einen\u00a0 Schrittmacher<br \/> im zentralen Nervensystem verf\u00fcgt. Dieser Pacer kalkuliert und gibt das<br \/> Timing f\u00fcr ein Rennen und die Leistungsgrenze vor. Dieser \u201ePacer\u201c<br \/> verarbeitet kontinuierlich alle aus der Peripherie des K\u00f6rpers<br \/> kommenden Signale vom arteriellen Sauerstoffpartialdruck, der<br \/> Sauerstoffs\u00e4ttigung des Gewebes, \u00fcber den Laktatspiegel, bis zum<br \/> Blutzuckerspiegel und aktualisiert sie in Echtzeit. Das Ergebnis der<br \/> Kalkulation wird in die Periphere gesendet. Alle K\u00f6rperfunktionen<br \/> werden entsprechend angepasst und dem Schrittmacher zur\u00fcckgemeldet usw.<br \/> usw&#8230; Immunsystem, Nervensystem und Hormone nehmen bei der<br \/> Verarbeitung der Signale aus der Peripherie eine zentrale Stellung ein.<br \/> Sie integrieren den Signalfluss der verschiedensten Ebenen. So erh\u00e4lt<br \/> der Schrittmacher kein unsortiertes Signalchaos, sondern ein geordnetes<br \/> interpretierbares Signalmuster.<\/p>\n<p>Den ganzen Beitrag finden Sie in der Bibliothek von <a href=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/bibliothek\/focus-sport\/muskel\/muskelanpassung-oder-wo-ist-die-leistungsgrenze.html\">biestmilch.com<\/a><\/p>\n<p>Bedenken Sie, dass <a href=\"http:\/\/www.biestmilch.de\/biestmilch\/modulator.html\">Biestmilch<\/a> eine der ganz wenigen Substanzen ist, die die komplexen Regulationsprozesse des Stress-Systems, dessen Funktionst\u00fcchtigkeit letztlich f\u00fcr Ihr Leistungsniveau verantwortlich ist, beeinflussen\/modulieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neueste Forschungsergebnisse stellen unser gewohntes Bild von der Leistungsgrenze in Frage. Nicht der Muskel sagt, wenn es nicht mehr geht, nicht das Laktat gibt die Ersch\u00f6pfung vor, sondern ein im Gehirn verorteter Schrittmacher bestimmt \u00fcber die Leistungsgrenze. Ist- und Sollwerte werden st\u00e4ndig verglichen und aneinander angepasst.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2294],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/275"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=275"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5041,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/275\/revisions\/5041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}