{"id":353,"date":"2007-07-11T15:28:04","date_gmt":"2007-07-11T14:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biestmilch.com\/wordpress\/?p=353"},"modified":"2016-04-30T10:28:25","modified_gmt":"2016-04-30T09:28:25","slug":"ethnografie-statt-zielgruppen-marketing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/2007\/07\/11\/ethnografie-statt-zielgruppen-marketing\/","title":{"rendered":"Ethnografie statt Zielgruppen-Marketing"},"content":{"rendered":"<p>Im klassischen Marketingplan kam und kommt den Betrachtungen und Analysen \u00fcber die Zielgruppen gro\u00dfe Bedeutung zu. In Zeiten wie den unseren allerdings, in denen sich die Weltzusammenh\u00e4nge so ver\u00e4ndern, dass sich Grenzen immer undeutlicher erkennen lassen, werden auch einst deutlich zu charakterisierende Zielgruppen, immer verschwommener. <br \/>Die weltweiten Kommunikationnetze ebenso wie der weltweite Warenfluss machen Grenzen durchl\u00e4ssig, hochdynamisch und fl\u00fcssig. Eigenschaften von Dingen\/Personen, die fr\u00fcher eine eindeutige und ausschlie\u00dfliche Gruppenzugeh\u00f6rigkeit definierten, sind keine eindeutigen Kriterien mehr, um etwas\/jemanden nur einer Gruppe zuzuordnen. M\u00e4rkte diffundieren und flie\u00dfen ineinander und \u00fcbereinander. Metaphern wie \u00bbNetze und Knotenpunkte\u00ab (crossroads), Verben wie \u00bbflie\u00dfen und durchlassen\u00ab beschreiben zunehmend unsere Realit\u00e4t. Hierarchien und Grenzen fallen. Top-down-Kommunikation kommt Empf\u00e4nger nicht mehr (gut) an.<\/p>\n<p>Die Folge: Die Werbekonzepte m\u00fcssen sich \u00e4ndern und damit die Methoden, die eine Antwort auf das WIE der Ver\u00e4nderung geben. Um entsprechende Informationen zu bekommen, werden nun auch von Werbe- und Marketingagenturen ethnografische Methoden* herangezogen. Sie beginnen sich auf das Terrain der Feldforschung zu st\u00fcrzen, um unsere geheimen Sehns\u00fcchte und unsere Gewohnheiten zu eruieren, zu verstehen, zu dokumentieren&#8230; und zu verwerten.<\/p>\n<p>Hier zwei Beispiele zum Nachlesen. <br \/><a href=\"http:\/\/www.sfweekly.com\/2005-03-16\/news\/real-to-reel\/1\">Real to Reel<\/a><br \/>Jesse Kipp&#8217;s job in the emerging field of commercial ethnography could make you the star of your very own advertisement<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/businessweek.com\/bwdaily\/dnflash\/content\/may2007\/db20070510_522420.htm\">Daily Rituals of the World<\/a><br \/>A recent study by ad agency BBDO Worldwide offers marketers insight into the everyday routines of people across the globe<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier meine Bedenken anmelden. Denn Feldforschung ist aufwendig, langwierig, ben\u00f6tigt gro\u00dfes Vertrauen des Beobachteten gegen\u00fcber dem Beobachter. Der Beobachter braucht Zeit und Feingef\u00fchl und muss sich als Beobachter bei der Beschreibung des Beobachteten mit ber\u00fccksichtigen. er ist selbst Teil des Beobachtungsergebnisses. Ich zweifle daran, dass diese Voraussetzungen im Rahmen von f\u00fcr Werbemassnahmen geplanten Studien oder Fallberichten gegeben sind. Aber lesen Sie selbst.<\/p>\n<p>Trotz aller Skepsis bin ich der Ansicht, dass Zielgruppen-Marketing im herk\u00f6mmlichen Sinn ausgedient hat. Die Evolution des Web 2.0 oder das, was hinter dem viel ge-\/miss-brauchten Begriff steht, macht dies deutlich. Wir k\u00f6nnen eine Unzahl von Daten erheben; das ist sehr einfach geworden, aber was wir daraus machen, wie wir sie interpretieren, ist immer noch eine Frage des Denkstils&#8230; Und deshalb k\u00f6nnen Interpretation und Fehlinterpretation, Verst\u00e4ndnis und Missverst\u00e4ndnis je nach Standpunkt beliebig die Seite wechseln. Alles ist m\u00f6glich, und noch mehr ist m\u00f6glich, desto mehr Daten wir erheben ;-)&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ethnografie\">Ethnografie<\/a> ist eine Methode der Ethnologie, mittels derer die Eindr\u00fccke aus der teilnehmenden Beobachtung in der Feldforschung verschriftet oder mit Medien aufgezeichnet werden. <br \/>Ethnographie ist eine spezielle Form der v\u00f6lkerkundlichen Forschung und bedeutet \u00fcbersetzt &#8220;V\u00f6lkerbeschreibung&#8221;. Das zentrale Anliegen der Ethnographie besteht darin, das Leben und die Sozialstruktur fremder Kulturen aus deren Sichtweise zu verstehen.<\/p>\n<p>Heute ist jedoch umstritten, ob dies m\u00f6glich ist. So behauptet beispielsweise der Kulturanthropologe Clifford Geertz in &#8220;Die k\u00fcnstlichen Wilden&#8221;, dass es keine objektive Ethnographie gibt und Ethnographen durch die Abbildung einer fremden Welt zugleich eine Fiktion schaffen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Ethnologie hat auch die Soziologie ab den 20er-Jahren des 20. Jh. ethnographische Methoden entwickelt. Im Unterschied zur ethnologischen Ethnographie zeichnet sich die soziologische Ethnographie dadurch aus, dass sie in der eigenen Gesellschaft durchgef\u00fchrt wird. Ethnographische Forschung ist daher auch nicht auf au\u00dfereurop\u00e4ische Gesellschaften beschr\u00e4nkt, und es geht auch nicht ausschlie\u00dflich um die Betrachtung einzelner Ethnien. Vielmehr k\u00f6nnen auch kleinere, multiethnische Gruppen, die Bewohner eines Stadtteils, die Belegschaft eines B\u00fcros, Wissenschaftler in einem Labor oder Jugendbanden Gegenstand von Ethnographien sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im klassischen Marketingplan kam und kommt den Zielgruppen gro\u00dfe Bedeutung zu. Eigenschaften von Dingen\/Personen, die fr\u00fcher eine eindeutige und ausschlie\u00dfliche Gruppenzugeh\u00f6rigkeit definierten, sind heute keine eindeutigen Kriterien mehr, um etwas\/jemanden nur einer Gruppe zuzuordnen. Werbekonzepte m\u00fcssen sich \u00e4ndern. 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