{"id":447,"date":"2007-11-09T15:10:13","date_gmt":"2007-11-09T14:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biestmilch.com\/wordpress\/?p=447"},"modified":"2016-04-30T10:28:20","modified_gmt":"2016-04-30T09:28:20","slug":"der-disput-um-den-guten-geschmack-oder-zu-zweit-schmeckts-besser-als-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/2007\/11\/09\/der-disput-um-den-guten-geschmack-oder-zu-zweit-schmeckts-besser-als-allein\/","title":{"rendered":"Der Disput um den guten Geschmack oder zu zweit schmeckts besser als allein!"},"content":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung unseres BIEST\/\/BOOSTERS werden wir nat\u00fcrlich wieder mit der vor allem mir bereits \u00fcberaus l\u00e4stigen Geschmacksfrage konfrontiert. Denn gibt es etwas suggestiveres, gleichzeitig individuelleres und sozialeres als den Geschmack? Zwei Beispiele:<\/p>\n<ol>\n<li>Red Bull ist bei allen durchgef\u00fchrten Geschmackstest durchgefallen. Dass es Red bull trotzdem zu einer Weltmarke gebracht hat, ist wahrscheinlich nicht einmal denjenigen entgangen, die den Geschmack dieses Getr\u00e4nks immer noch abscheulich finden.<\/li>\n<li>Weintestern wurden die Augen verbunden und die Nase blockiert, dann begann die vermeintliche Weinprobe. Alle waren also der festen \u00dcberzeugung, dass es sich bei den dargebotenen Testproben, um Wein handeln m\u00fcsse. Unter den klingenden Namen bester Lagen wurden den Herrschaften Geschmacksvariationen wie Seifengemische oder Salzwasser dargeboten, die geschmacklich einem edlen Tropfen nicht ferner stehen k\u00f6nnen. Keiner wendete sich mit Ekel ab, alle testeten die \u00bbWeine\u00ab mit gro\u00dfem Wohlwollen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Welche Schl\u00fcsse k\u00f6nnen wir ziehen? Geschmack ist auf keinen Fall eine stabile Gr\u00f6\u00dfe. Geschmack ist ein soziales und ein kulturelles Ph\u00e4nomen. Geschmack spiegelt Zeitgeist und spiegelt Moden wider. Geschmack ist aber auch Biologie.<\/p>\n<p>Zur geistigen Erhellung und Beruhigung des Gem\u00fcts nun also ein bisschen Biologie: Denn Naturwissenschaft vermittelt ja meist das vermeintliche Gef\u00fchl, einem Halt durch Faktisches zu geben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei Menschen sind einstweilen 125 verschiedene Bitter-Sensoren identifiziert worden. Menschen unterscheiden sich offensichtlich stark durch ihre Bitter-Sensoren. Westafrikaner sind die genetisch vielseitigste aller Menschengruppen und unterscheiden sich untereinander besonders deutlich in den Varianten ihrer Gene. Wir Nordeurop\u00e4er haben im Vergleich ein sehr eingeschr\u00e4nktes Geschmacksrepertoire und sind deshalb f\u00fcr gewisse Bitterstoffe blind. Es wird spekuliert, dass wir uns auf ein kleines H\u00e4ufchen von sozusagen emigrierten Westafrikanern zur\u00fcckf\u00fchren lassen.<\/p>\n<p>Wie jeder weiss, empfinden wirnoch s\u00fc\u00df, sauer und salzig &#8211; und umami &#8211; was ich bislang nicht gewusst habe. Umami ist Natriumglutamat und verleiht vielen chinesischen Speisen ihren besonderen Geschmack. Unsere Sensoren f\u00fcr sauer und salzig sind noch wenig erforscht, die f\u00fcr umami und s\u00fc\u00df sind hingegen gut bekannt. Wir besitzen von ihnen etwa ein halbes Dutzend Grundtypen und dazu viele pers\u00f6nliche Varianten. Menschen unterscheiden sich somit auch in der Art, wie sie s\u00fc\u00df wahrnehmen. Offensichtlich ist aber kein Menshc gegen\u00fcber s\u00fc\u00df und umami unempfindlich. S\u00fc\u00df und umami zeigen uns kalorienreiche und stickstoffreiche Nahrung an. Katzen, die S\u00fc\u00dfes nicht m\u00f6gen, haben auch keine Sensoren daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Hier deutet sich schon an, welche geschmackliche Vielfalt sich aus diesen M\u00f6glichkeiten errechnen l\u00e4sst. Nun kommt auch noch die Nase mit ihren 400 Sensoren dazu, die den Geschmack ma\u00dfgeblich mitbestimmt. Wir erkennen Millionen verschiedener Duftstoffe. Eine schier endlose Zahl an Kombinationsm\u00f6glichkeiten deutet sich an.<\/p>\n<p>Keine einfache L\u00f6sung also, guten Geschmack zu erzeugen, oder doch? Und was unseren BIEST\/\/BOOSTER anbelangt, nachdem sich \u00fcber Geschmack nicht streiten l\u00e4sst, kann man sich dar\u00fcber auch am besten endlos streiten.<\/p>\n<p>Die Anregung zu diesem kleinen Text habe ich aus der <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\">NZZ<\/a> aus einem kurzen Essay des Biochemiker <a href=\"http:\/\/www.biozentrum.unibas.ch\/emeritus\/schatz\/index_d.html\">Gottfried Schatz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich nicht streiten. Biologisch betrachtet gibt es einige Hinweise, die den Geschmack aus dem Territorium des Streitbaren  herausheben. Eine Vielzahl an Sensoren er\u00f6ffenen einen schier unendlcihen Kosmos an Geschmacks-Ger\u00fcchen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2294],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=447"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5334,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447\/revisions\/5334"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=447"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=447"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=447"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}