{"id":96,"date":"2006-08-17T21:03:14","date_gmt":"2006-08-17T20:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biestmilch.com\/wordpress\/?p=96"},"modified":"2016-04-30T10:28:42","modified_gmt":"2016-04-30T09:28:42","slug":"von-mario-der-meinte-nicht-laufen-zu-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biestmilch.com\/blog\/2006\/08\/17\/von-mario-der-meinte-nicht-laufen-zu-konnen\/","title":{"rendered":"Von Mario, der meinte nicht laufen zu k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Eines m\u00f6chte ich noch vorweg schicken: Ich habe einige Dinge sehr grundlegend ge\u00e4ndert, sowohl im \u00bbk\u00f6rperlichen Training\u00ab, als auch im mentalen Bereich. Und dies f\u00fchrte nun, ganz offensichtlich jedenfalls, zu einem (!) erfolgreichen Rennen.<br \/> Nicht mehr und nicht weniger. Das sage ich deshalb, da ich weiss, wie \u00bbd\u00fcnn\u00ab das Eis noch ist&#8230;und \u00bbneue Wege\u00ab an Anfang immer leichter zu funktionieren scheinen: man erh\u00e4lt allein durch den ver\u00e4nderten Ansatz schon so viel neue Motivation, dass die Dinge einfacher von der Hand gehen.<\/em><\/p>\n<p>Welche enormen M\u00f6glichkeiten der Bereich des mentalen Trainings bietet ist ebenso unumstritten, wie f\u00fcr die meisten unter uns \u00bbnicht greifbar\u00ab.<br \/> Unser Vetriebsleiter bei Skinfit ist auch studierter Psychologe. Da ich immer wieder mit Robert dar\u00fcber sprach, welche \u00bbenormen\u00ab Leistungen mit Hilfe der \u00bbrichtigen\u00ab mentalen Einstellung m\u00f6glich sind, haben wir irgendwann das Projekt \u00bbMario, der meint nicht laufen zu k\u00f6nnen\u00ab ins Leben gerufen.<br \/> Wir glauben mittlerweile erkannt zu haben, dass es beim mentalen Training viel weniger darum geht, \u00fcber sich hinaus zu wachsen, als viel mehr darum, \u00bbeinfach nur\u00ab seine F\u00e4higkeiten umzusetzen.<br \/> Das klingt einfach, ist es auch eigentlich&#8230;aber eben nur, wenn man sich einmal von seiner liebgewonnenen, zementierten Sicht auf sich und sein Umfeld verabschiedet. Das klingt wiederum einfach, ist aber letzen Endes ein schwieriger Prozess&#8230;sehr schwierig, wie ich nach wie vor finde.<\/p>\n<p><strong>Ein Beispiel, Natascha Badmann, Hawaii 2005 <\/strong><\/p>\n<p>Im Ergebnisbogen steht sie wie so oft hinter der Ziffer \u201e1\u201c. Business as usual sozusagen. Doch welch unglaubliche mentale Leistung sie in diesem Rennen vollbrachte, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Natascha galt als bestenfalls durchschnittliche Schwimmerin, exzellente Radfahrerin, die dann noch ihren Vorsprung mit einem stabilen Marathon nach Hause rennen kann&#8230; niemand hatte sich bislang ernstlich Gedanken dar\u00fcber gemacht, was passieren k\u00f6nnte, wenn Natascha nach dem Radfahren nicht an Position 1 ist und \u00bbnur\u00ab noch den Vorsprung zu verteidigen braucht.<\/p>\n<p><strong>Also noch mal: Natascha = schlechte Schwimmerin, ausgezeichnete Radfahrerin und durchschnittliche L\u00e4uferin. <\/strong><\/p>\n<p>Die nur logische Antwort auf eine Rennsituation in welcher Michelie Jones (gute Schwimmerin, starke L\u00e4uferin) bereits nach dem Radfahren f\u00fchrt (so geschehen Hawaii 2005), kann eigentlich nur lauten: Michelie Jones gewinnt das Rennen, Natascha wird bestenfalls zweite.<br \/> W\u00e4re die Sicht Nataschas auf ihr sportliches Leistungsverm\u00f6gen das gleiche gewesen, wie das der meisten Beobachter, w\u00e4re das Rennen auch sicher so ausgegangen. Ist es aber nicht! Weil Natascha sich selbst nie als bestenfalls mittelm\u00e4\u00dfige L\u00e4uferin eingesch\u00e4tzt hat&#8230; sondern, weil sie von sich als Athletin im Ganzen \u00fcberzeugt ist.<br \/> Bis zu diesem Rennen war sie nie darauf angewiesen gewesen, ihr volles Potential auszusch\u00f6pfen, da gutes Radfahren f\u00fcr den Sieg bereits ausgereicht hatte. Und nun kam jemand daher, der ihr diese \u00bbGewissheit\u00abins Wanken brachte&#8230; und was passiert: Sie gewinnt trotzdem. Weil es ihr weitestgehend egal war. Es interessierte sie schlicht und ergreifend nicht, dass da nach dem Radfahren jemand schneller war&#8230;alles was sie machte, war, ihre an diesem Tag bestm\u00f6gliche Performance zu zeigen. Sie ist nicht daran zerbrochen, nach dem Radfahren nicht zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Was ich damit sagen m\u00f6chte:<br \/> Sie ist an diesem Tag nicht durch mentale \u00dcberlegenheit \u00fcber sich hinaus gewachsen, sondern sie hat an diesem Tag, genau wie in jedem anderen Rennen, die f\u00fcr sie an diesem Tag bestm\u00f6gliche Leistung erbracht. Fertig.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu unserem kleinen, f\u00fcr den Weltsport unbedeutenden, f\u00fcr mich aber wichtigen Projekt&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><br \/> Bei mir war die Lage immer ziemlich anders, bzw. ich hab sie immer anders gesehen. Sehr guter Schwimmer, sehr guter Radfahrer und nach meiner Meinung mittelm\u00e4\u00dfiger L\u00e4ufer, bei l\u00e4ngeren Distanzen sogar schlechter L\u00e4ufer. Problem nahezu immer: der limitierende Faktor \u00bbist die Luft\u00ab. Oft Seitenstechen beim Laufen, Lungenbrennen etc.<br \/> Tats\u00e4chlich bin ich jedoch ein einziges mal einen welligen dlv-vermessenen Stra\u00dfenzehner in 33:37 gerannt. Sicher nicht Weltspitze, aber sicher auch weit davon entfernt, von einem schlechten L\u00e4ufer zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Das Zustande kommen dieser Bestzeit kurios.<\/strong><\/p>\n<p>Ich war Mittags noch 50 km Rad gefahren und Start des Laufes war Abends um 19.30 Uhr. Ich a\u00df nachmittags noch zwei St\u00fccke Sahnekuchen und war noch ziemlich m\u00fcde von meiner Geburtstagsfeier am Tag zuvor&#8230;legte mich dann gegen 17.30 Uhr nochmals, eigentlich nur f\u00fcr 20 Minuten, hin und verpennte. Um 18.30 Uhr wurde ich wach und musste noch 30 km zum Start fahren (ich hatte den Teamkollegen zugesagt zu kommen). Papa fuhr mich dann hin, und ich kam nur wenige Minuten vor dem Startschuss an und rannte eigentlich direkt los. Also im Grunde eine v\u00f6llig unideale Konstellation f\u00fcr einen Bestzeitenlauf. Bereits Radgefahren am selben Tag, Tags zuvor gefeiert, zwei St\u00fccke Sahnetorte und zu Guter Letzt noch verpennt.<br \/> Und doch hatte ich einen \u201eunglaublichen\u201c Lauf und keiner wusste, wo das nun her kam. Ich erkl\u00e4rte es mir damals mit dem vielen Rumpftraining und den endlich gut passenden neuen Wettkampfschuhen. Doch heute sehe ich, dass das allerh\u00f6chstens winzige Komponenten, sicher aber nicht die ausschlaggebenden Faktoren f\u00fcr diesen, meinen besten Lauf gewesen sind.<br \/> Der weitaus entscheidendere Punkt war sicher: Ich hatte keine Zeit den Lauf wichtig zu nehmen und viel dar\u00fcber nachzudenken. Diesem Lauf schenkte ich im Vorfeld keine besondere Beachtung. Ich bin hingegangen und bin schnell gelaufen, ohne es geplant, ohne es gewollt zu haben. Und nicht, obwohl ich es nicht geplant hatte, und nicht, obwohl ich es nicht besonders gewollt hatte an diesem Tag, sondern gerade weil es weder geplant noch gewollt war &#8230;ich hatte weder Seitenstechen noch Atembeschwerden (trotz Sahnekuchen (!)), weil ich innerlich entspannt und locker war. Damals noch durch Zufall!<\/p>\n<p>Die Erkenntnis also, dass ich prinzipiell die k\u00f6rperliche F\u00e4higkeit habe schnell zu rennen, versuchten wir dann umzusetzen, um mir in Triathlon-Rennen (gerade \u00fcber l\u00e4ngere Distanzen wie Mittel-und IRONMAN) die Passivit\u00e4t beim Laufen zu nehmen.<br \/> Meine Selbstwahrnehmung war: Schwimm schnell, fahr schnell Rad und dann hoff&#8217;, dass nicht mehr allzu viel beim Laufen passiert, anstatt zu sagen, sie zu, dass Du ein maximal gutes Ergebnis rausholst.<\/p>\n<p>Im Grunde sollte es so sein: Es interessiert \u00fcberhaupt nicht, welche Athleten noch im Rennen sind, wer zu welchem Zeitpunkt vorne ist, sondern es interessiert ausschlie\u00dflich, wer am Ende vorne ist. Diese Sicht auf ein Rennen hat einen entscheidenden Vorteil: Nur weil mich auf dem Rad, entgegen meiner eigenen Erwartung, doch jemand (oder mein gr\u00f6\u00dfter Konkurrent) \u00fcberholt hat, hei\u00dft das ja noch lange nicht, dass ich das Rennen bereits verloren habe.<\/p>\n<p><strong>Was haben wir nun ge\u00e4ndert?<br \/> Eigentlich nur zwei kleine Dinge:<\/strong><\/p>\n<p>a) Ich habe \u00fcber ca 3-4 Wochen etwa 10 Minuten am Tag \u201eFokussierungs\u00fcbungen\u201c (also ganz \u201esimpel\u201c eigentlich. Vorstellung von drei Gegenst\u00e4nden in Form, Farbe und Gr\u00f6\u00dfe und H\u00f6ren auf Ger\u00e4usche&#8230;etc.) gemacht, um zu lernen \u00bbloszulassen\u00ab und mal \u00bbrunter zu kommen\u00ab. Sp\u00e4ter haben wir dann den Bogen zum k\u00f6rperlichen Training und zum von uns ausgeguckten Rennen gespannt.<\/p>\n<p>Ziel war es durch diese \u00dcbungen, den Zustand, den man als \u201eFlow Gef\u00fchl\u201c kennt, zu konservieren und w\u00e4hrend des Rennens reproduzieren zu k\u00f6nnen.<br \/> Dazu bedurfte es aber einer weiteren kleinen \u00c4nderung&#8230;und da ergab es sich, dass Macca in dieses unser \u00bbPlanungsvakuum\u00ab trat und extrem weiterhalf.<\/p>\n<p>b) Um n\u00e4mlich positive Erlebnisse \u00bbherholen\u00ab zu k\u00f6nnen, muss man diese ersteinmal gehabt haben. Wieder eine ziemlich simpler Schritt, aber wer wie ich nahezu nie im angestrebten \u00bbWettkampftempo\u00ab trainiert, dem wird es schwer fallen, hinreichend positive Trainingserlebnisse gesammelt zu haben, um am Wettkampftag sich auch auf seine St\u00e4rke verlassen zu k\u00f6nnen. (\u00dcbrigens. Meistens macht man in den Disziplinen in denen man seine pers\u00f6nliche St\u00e4rke sieht, n\u00e4mlich sehr wohl intensive Einheiten und trainiert im Wettkampftempo. Oftmals aber eben kaum oder gar nicht in der vermeintlichen schwachen Disziplin).<\/p>\n<p>Nach Roth hatte ich das Gl\u00fcck einen ziemlich entspannten Tag mit Macca bei Susann verbringen zu k\u00f6nnen. Wir haben viel diskutiert und erz\u00e4hlt und irgendwann ergab es sich, dass mir Chris bei der Trainingsplanung half, und wir einen Rahmenplan f\u00fcr mich aufstellten. Der Kernunterschied zu allem, was ich bislang an Trainingsplanung gesehen hatte: Keine (!) Einheit dient nur der Trainingseinheit an sich oder dem F\u00fcllen von Wochenvorgaben oder \u00e4hnlichem. Jede Einheit f\u00fcr sich ist ein Mosaikstein, der hilft, aufkommende Fragen im Rennen zu beantworten. Der Rest ergibt sich von selbst. Man wird am Ende an der Startlinie stehen und ausreichend lange Einheiten, harte Einheiten, Koppeleinheiten etc. gemacht haben, obwohl man in manchen Wochen nicht auf \u00bbseine Wochen-Km gekommen ist\u00ab oder \u00e4hnliche verquerte Triathleten-Gedanken&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines m\u00f6chte ich noch vorweg schicken: Ich habe einige Dinge sehr grundlegend ge\u00e4ndert, sowohl im \u00bbk\u00f6rperlichen Training\u00ab, als auch im mentalen Bereich. Und dies f\u00fchrte nun, ganz offensichtlich jedenfalls, zu einem (!) erfolgreichen Rennen. Nicht mehr und nicht weniger. 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