DAS IMMUNSYSTEM SCHLÄFT NIE

Das Immunsystem ist essenzieller Teil des Stress-Systems.
Um seine unersetzliche Bedeutung für den Organismus und sein Wohlbefinden begreifen zu können, ist einiges Umdenken erforderlich. Wo immer wir über das Immunsystem stolpern, begegnet es uns immer noch als Verteidigungssystem.

 

Es wird in der Regel auf die Abwehr von Infektionen reduziert.

Nun haben Infektionen ihre lebensbedrohliche Bedeutung großenteils verloren und Stoffwechselerkrankungen, Allergien, Neurodermitis, Autoimmunerkrankungen, Tumoren und andere chronische Erkrankungen sind zu den zentralen Gesundheitsproblemen des 21. Jahrhunderts geworden. Wenn wir das Immunsystem jedoch weiterhin als Verteidigungsapparat betrachten, dann ist es eigentlich unmöglich, diese Krankheiten zu erklären und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

Nur wenn wir das Immunsystem als Regulationssystem verstehen, dann wundern wir uns nicht mehr darüber, dass dieses System Entzündungsprozesse aufrechterhält und Heilungsprozesse steuert, an der Energieverteilung im Körper beteiligt ist und Krankheitssymptome wie Fieber, Schmerzen, Müdigkeit und Lustlosigkeit etc. hervorbringt. Auch beginnen wir langsam zu begreifen, wie Wohlbefinden und Krankheit zueinander in Beziehung stehen.

Von der Kriegsmaschine zum Regulationssystem

Hier als Beispiel nur einige wenige Fragen, welche die Kriegsmetapher nicht beantworten kann: Warum tolerieren manche Menschen bestimmte Lebensmittel und andere entwickeln eine Allergie, wie kommt es, dass wir mit unserer bakteriellen Flora koexistieren, wie erklären wir uns den Heilungsprozess, wie die Autoimmunität, wie erkennt das Immunsystem den Kontext und handelt dann entsprechend angemessen, warum erkranken manche an Grippe und andere nicht, wie kontrolliert das Immunsystem die Virusaktivität von Viren, die lebenslang im Körper verweilen ... und viele andere Fragen mehr.  

 

Das Immunsystem schläft auch dann nicht, wenn es gerade nicht von Feinden angegriffen wird.

 

Das Immunsystem ist immer aktiv. Das Immunsystem ist integraler Bestandteil aller körperlichen Regulationsprozesse. Der neue Denkansatz der modernen Wissenschaft sieht das Immunsystem als ein System, dass mit anderen Systemen und Organen des Körpers zusammenarbeitet und damit das Gleichgewicht des Organismus und sein Überleben gewährleistet. Regulation ist der Schlüsselbegriff in diesem neuen Konzept. Organe, Zellen, Hormone und Systeme wie Immun- oder Nervensystem sind Komponenten der Regulation. Der Organismus besteht also aus einem komplexes Netzwerk von Regulationsprozessen und nicht aus Kleinfeuerwaffen und anderen Geschossen.

 

Vergleichen wir das Immunsystem und die Immunität, die von diesem System hervorgebracht wird, lieber mit einem Musikstück, gespielt von den verschiedensten Instrumenten anstatt mit einer Armee die auf der Lauer liegt, um im Bedarfsfall los zu schießen.

Jeder Stressfaktor, der das Gleichgewicht des Organismus gefährdet, involviert das Immunsystem. Es setzt aus Immunzellen wie Leukozyten und Lymphozyten riesige Mengen an Botenmolekülen frei (Zytokine, Wachstumsfaktoren, Zelldifferenzierungs-/-proliferationsfaktoren), die die Kommunikation zwischen all den vielen Komponenten des Organismus initiieren und aufrecht erhalten. Anstoß, Kontrolle und Endpunkt z. B. der Wundheilung, Beruhigung von entzündlichen Prozessen etc. sind die Aufgabe der Systeme, welche die Integrität unseres Körpers und unsere Psyche gewährleisten. Diese Systeme, die alle Elemente des Körpers untereinander verbinden, sind zuallererst das Nervensystem, das Immunsystem und Hormone wie Adrenalin und Cortisol etc.

Diese ganz andere Art, die Immunität zu sehen, verändert auch die Interpretation metabolischer Prozesse und erlaubt uns zu verstehen, wie es unter starker Stressbelastung zu Symptomen wie Lustlosigkeit, Mangel an Motivation, Erschöpfung, Schlafbedürfnis, erhöhter Körpertemperatur, Appetit- und Gewichtsverlust ebenso wie Infektionen etc. kommen kann. Die vielen löslichen Faktoren, die von Immunzellen freigesetzt werden zirkulieren durch unseren Körper. Sie sind Signale/Impulse, die der Empfänger (z.B. bestimmte Zellen) interpretieren. Wenn ausreichend viele Signale gesendet werden und eine kritische Menge an Empfängern antwortet, erleben Sie ein spezielles Körpergefühl, das gut oder schlecht sein kann, aber auch alle Übergänge zwischen diesen beiden extremen Zuständen annehmen kann. 

Hunderttausende Signale müssen eine Zelle erreichen, damit diese reagieren kann.
Wenn die Rezeptoren jedoch ständig nur durch ein und dasselbe Signal stimuliert, wird die Zelle langsam taub.