Ich erinnere mich noch gut. Ich war mit Barbara bei IKEA. Unsere Biestmilch-Geschichte war noch ganz jung. Unser Büro, in dem wir noch heute arbeiten, war noch gar nicht fertig eingerichtet. Deshalb fuhren wir mit unserem uralten Mercedes an diesem Tag zur IKEA, um Bücherreagale zu besorgen. Es war für September ein recht heißer Tag. Wir hatten alles mühsam verstaut, sahen aus wie ein gespickter Braten, denn aus Fenstern und Dach ragten die Latten der Regale heraus. Ein Mercedes 240 aus dem Jahre 1986 ist nicht wirklich geeignet für Transporte dieser Art. Auf dem Weg zurück hörten wir eigenartig verwirrende Meldungen über das
Autoradio. Ich meinte nur zu Barbara: »Ich glaube, da ist irgendetwas Komisches, etwas Anderes passiert.«
Ich weiss bis heute nicht, warum mich das Gehörte komisch
anmutete. Im Büro angekommen stürzten wir uns sofort ins Web und
versuchten BBC zu erreichen, was uns nicht gleich gelang, da die
Leitungen
maßlos überlastet waren. Als sich die Seite endlich aufbaute, rief auch
schon
mein Bruder aus Wien an, um mich zu informieren. Wir waren alle
sprachlos und arbeiteten an diesem Tage wohl kaum mehr viel. Wie alle
sind wir dem Horror und der Faszination der Bilder erlegen und wäre das
damals nicht passiert, würde ich mich wohl kaum noch an diesen
IKEA-Besuch erinnern.
Jedes Jahr gibt es zahllose Kommenare zum Thema, politische,
philosophische, die Feuilltons sind voll mit Spekulationen bezüglich
der Auswirkungen von 9-11 auf die Kunst und Literatur, auf unseren
Alltag…
Alle Meinungen sind vertreten: Von »9-11 hat die Welt
verändert«, bis hin zu »es ist eigentlich alles wieder beim Alten« –
jedenfalls ging ein Rütteln durch die Welt..
Und was ist nun der Fall? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.
Vielleicht sollte man es gerade in diesem Fall, wenn man an all
die Verschwörungstheorien denkt, die in den letzten Jahren ins Kraut schossen,
lieber mit Wittgenstein halten: »Worüber man nicht sprechen kann, sollte man eben schweigen.«
Ich denke 9-11 ist so ein Fall.




